Veranstaltung - Wie die TU Dortmund die Freiheit ihrer Forschung schützt: Der Ausschluss von Militärforschung
Vorträge und Diskussion
12.10.2026, 18 Uhr · TU Dortmund, Emil-Figge-Str. 50, HS II, Dortmund
13.10.2026, 19 Uhr · SÖZ,
Gut-Heil-Str. 12-14, Dortmund
Aus der Veranstaltungsreihe zu ziviler Wissenschaft und der Militarisierung der Universitäten. Organisiert zusammen mit dem AStA der TU Dortmund.
Im März 1991 beschloss der Senat der Universität Dortmund fast einstimmig, dass die Forschung an der Universität ausschließlich zivilen Zwecken dient. Den Antrag stellte damals der Rektor selbst. Seither soll auch ein Mustervertrag die Auftraggeber verpflichten, Forschungsergebnisse der Universität nur zivil zu nutzen. Dortmund gehörte damit zu den ersten Hochschulen in Deutschland mit einer Zivilklausel.
35 Jahre später steht die Frage erneut im Raum: Was bedeutet diese Selbstverpflichtung heute, und wer entscheidet über die Ausrichtung unserer Forschung?
Die Zivilklausel ist keine Vorgabe von außen. Sie ist eine Entscheidung, die die Universität in ihren eigenen Gremien getroffen hat. Sie ist damit Ausdruck akademischer Selbstbestimmung, gerade in einer Zeit, in der die politischen Erwartungen an Hochschulen wachsen. Wie weit solche Erwartungen gehen können, zeigt Bayern. Dort wurden Hochschulen gesetzlich zur Zusammenarbeit mit der Bundeswehr verpflichtet, bis der Bayerische Verfassungsgerichtshof diese Pflicht im März 2026 für nichtig erklärte.
Im Hauptvortrag gibt Jürgen Altmann einen Überblick darüber, wie Zivilklauseln an deutschen Universitäten gestaltet sind und was das für die TU Dortmund bedeutet. Er zeigt dabei, dass sicherheitsrelevante Forschung und Militärforschung nicht dasselbe sind. Anschließend ordnet Michael Jakubowsky die Zivilklausel ethisch und aus der Praxis des Forschungsalltags ein.
Die Frage betrifft längst nicht nur die Ingenieur- und Naturwissenschaften. Auch Forschung zu Gesellschaft, Kommunikation, Wirtschaft, Bildung oder Raum kann für militärische Zwecke genutzt werden. In der anschließenden Diskussion wollen wir deshalb unter anderem folgende Fragen aufgreifen, die im Alltag aller Fakultäten eine Rolle spielen:
Was bedeuten Geheimhaltung und Exportkontrolle für eine Universität, an der jede fünfte Person unter den Studierenden aus dem Ausland kommt?
Wie verträgt sich vertrauliche Auftragsforschung mit der Pflicht, Forschungsergebnisse und Dissertationen zu veröffentlichen?
Wo verläuft die Grenze zwischen ziviler, sicherheitsrelevanter und militärischer Forschung, in Robotik oder Sensorik ebenso wie in Datenanalyse, Logistik, Medienforschung oder den Sozial- und Kulturwissenschaften?
Wäre Rüstungsforschung nur ein zusätzliches Standbein, oder verändert sie die Universität als Ganzes?
Programm
Begrüßung
Dr.-Ing.
Michael Jakubowsky
Vortrag:
Zivilklauseln an deutschen Universitäten – Spannweite und
Gestaltung an der TU Dortmund
PD
Dr. Jürgen Altmann
Kommentar
aus der Praxis: Responsible Engineering im Laboralltag – Was die
Zivilklausel für Forschende an der TU Dortmund bedeutet
Dr.-Ing.
Michael Jakubowsky
Anschließend Diskussion mit dem Publikum
Die Referenten
PD
Dr. Jürgen Altmann ist Physiker und Friedensforscher (im
Ruhestand) an der Technischen Universität Dortmund. Seit 1985
bearbeitet er naturwissenschaftlich-technische Probleme der
Abrüstung. Ein experimenteller Schwerpunkt sind automatische
Sensorsysteme für die kooperative Verifikation von Abrüstungs- und
Friedensabkommen und für IAEO-Sicherungsmaßnahmen für ein
unterirdisches Endlager. Der zweite Schwerpunkt sind
Technikfolgenabschätzung neuer Militärtechnologien sowie präventive
Rüstungskontrolle dafür, einschließlich der Verifikation. Studien
betrafen “nicht-tödliche” Waffen, zivile und militärische
Technologien in der Luftfahrt, militärische Nutzung von Mikrosystem-
und Nanotechnik, vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen für
Cyberstreitkräfte, bewaffnete besatzungslose Fahrzeuge und autonome
Waffensysteme.
Er ist Mitgründer und Vorsitzender des
Forschungsverbunds Naturwissenschaft, Abrüstung und internationale
Sicherheit (FONAS) und hat Buchkapitel geschrieben über die
Beziehungen zwischen Naturwissenschaft, Rüstung und Abrüstung. Er
hält weiterhin eine Vorlesung “Physik und Technik der Verifikation
von Rüsungsbegrenzungsverträgen”.
Dr.-Ing. Michael Jakubowsky ist Ingenieur der Elektrotechnik und wissenschaftlicher Mitarbeiter. Seit vielen Jahren forscht er im Labor zu Mikrostruktur- und MEMS-Technologie, Mikrooptik sowie optischer Sensorik und Spektroskopie, eingebunden in öffentlich geförderte nationale und europäische Forschungsverbünde. Er leitet ein Technologielabor, das der Forschung und der Lehre dient. Er ist Mitglied des Senats der TU Dortmund und seiner Kommission für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs. Er hält unter anderem die Vorlesung „Responsible Engineering and Critical Thinking“.
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